Capoeira

Capoeira von heute ist eine Mischung aus Kampfsport, Tanz und Akrobatik.

Wesen

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Das Spektrum an Bewegungen bei Capoeira ist sehr vielfältig: neben der Grundbewegung, Ginga, werden allerlei gedrehte Sprünge, eingesprungene Tritte, Drehtritte und Salti ausgeübt. Das ganze soll mit einem Rhythmus (Toque) übereinstimmen, der dazu gespielt wird. Da es bei Capoeira nicht um Schlagen und Bekämpfen des Gegners geht, sieht das ganze eher spielerisch aus, so wird eine Auseinandersetzung zweier Capoeristas als Spiel bezeichnet. Für Capoeira wird ein Menschenring (Roda) gebildet, in dem neben den Spielern und den Zuschauern auch die Musiker mit den typischen Instrumenten, vor allem einem Berimbau sowie den trommelartigen Pandeiro und Atabaque stehen. Bei jedem Spiel sind immer nur zwei Capoeristas im Zentrum des Roda.

40 FamJam2010Im Wesentlichen unterscheidet man zwei Hauptrichtungen der Capoeira: Capoeira Angola (konservativ) und Capoeira Regional (modern). Die letztere kann man als eine durch verschiedene Kampfkünste erweiterte Variante der ersteren betrachten. Mittlerweile existiert eine neue Variante der Capoeira, die möglichst alle bekannten Stile in sich vereinigt. Diese wird Capoeira Contemporânea genannt.
 

 

Capoeira in FAM

41 FamJam2010Capoeira ist eine freie Bewegungskunst ganz im Sinne von FAM. Dabei ist die Kreativität eine ebenso wichtige Eigeschaft des Sportlers wie seine physische Kondition und die Reaktionsfähigkeit.

Free Arts of Movement e.V. fokussiert eher den technischen,    akrobatischen Aspekt dieser Kunst denn ihre musikalische und rituelle Seite. Begrüßt wird der Einbau der Capoeira-Elemente in andere freie Bewegungskünste.

FAM bietet aber auch authentische Capoeira-Workshops in Kooperation mit professionellen Capoeristas.
 

Geschichte

Der Ursprung der Capoeira geht auf die Epoche des afrikanischen Sklaventums in Brasilien zurück. Die ersten afrikanischen Sklaven wurden nach Brasilien schon Anfang des 16. Jahrhunderts gebracht. Selbstverständlich lebten sie möglicherweise nach den eigenen Traditionen und übten die rituellen Bräuche der Heimat aus. Vermutlich liegen die Anfänge der Capoeira in solchen Kulttänzen (vgl. www.capoeira.de). In der Zeit der Sklaverei gewann die ehemalige Tanzkunst aber eine kriegerische Schattierung, weil die kampfähnlichen Bewegungen in den Auseinandersetzungen mit den Sklavenherren angewendet wurden. Diese Techniken wurden durch Sklavenhandel, Flucht und in erster Linie durch das Zusammenleben in Quilombos, den Zufluchtsorten der ausgebrochenen Sklaven, verbreitet und inhaltlich angereichert. Capoeira konnte damals als ein Mittel des Kampfes für die Freiheit und ein Symbol der Einheit der schwarzen Bevölkerung Brasiliens angesehen werden.

Im 19. Jahrhundert wurde die Sklaverei in Brasilien abgeschafft, aber der Status der Leute, die Capoeira ausübten, verschlechterte sich nur. Die ehemaligen Sklaven waren gezwungen, sich das tägliche Brot durch Raub zu verschaffen. Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Capoeira mit Kriminalität assoziiert und konnte mit bis zu sechts Monaten Gefängnis bestraft werden. Derzeit waren die Capoeristas tatsächlich äußerst gefährlich, weil sie öfters zwischen den Zehen Rasierklingen versteckt trugen und den Gegner damit beim Kampf töten konnten. Einer der Mittelpunkte des Kampfes zwischen der Polizei und der Capoeiristas war die Hafenstadt Rio de Janeiro.

Im Jahre 1937 war Capoeira durch den nationalistischen Diktator Getúlio Vargas gerettet. Sein Ziel war es, diese Kunst zu einem nationalen Sport Brasiliens zu machen. Einen enormen praktischen Beitrag für die Wiederbelebung der Capoeira in der Form der Capoeira Regional hat Mestre Bimba geleistet, der als erster die Methodik des Capoeira-Unterrichts ausgearbeitet hat.