Trakour
„Von der Straße in die Turnhalle – in der Turnhalle für die Straße“
Seit Anfang 2009 bietet der Bayrische Turnverband (BTV) unter diesem Motto in Kooperation mit dem Verein Free Arts of Movement e.V. (FAM) Lehrgänge im Bereich Trakour an. Unter dem vom BTV erfundenen Begriff Trakour, versteht man das gezielte Training für Parkour/Freerunning und Freestyle Akrobatik (Tricking, Capoeira, Breakdance,..) in der Turnhalle.
Free Arts of Movement e.V. stellt hierbei für den BTV das folgende durch FAM entwickelte Fortbildungskonzept zur Verfügung und organisiert auch die eigens ausgebildeten Referenten:
- Lehrgang 1: Trakour mit Parkour und Freerunning
- Lehrgang 2: Trakour mit Tricking und Freestyle Akrobatik
Diese Lehrgänge sind auch direkt über FAM buchbar, siehe FAM Fortbildungen!
Trakour in der Kritik
Trakour ist also keine Sportart, sondern ein für bereits existierende Sportarten speziell für die Turnhalle entwickeltes Konzept für Methodik, Didaktik und praktische Anwendung.
Laut dem BTV bietet das Training in der Turnhalle zwei entscheidende Vorteile:
- Hindernisse können beliebig gestaltet werden
- Training in „sicherer“ Umgebung (Matten etc.)
Free Arts of Movement e.V. begrüßt zwar die Bemühungen des BTV, die Ausbreitung der Bewegungskünste (insbesondere Parkour) auch in den Turnhallen zu fördern, dennoch stehen wir den genannten Vorteilen im Trakour -gerade was die Bewegungskunst Parkour angeht- kritisch gegenüber, denn:
Nach der Philosophie von Parkour sollen Hindernisse nicht gestaltet werden, im Gegenteil ist es der Traceur, der sich seiner Umgebung anpassen soll. In der Turnhalle mit den normierten Turngeräten geht genau dieser Aspekt verloren, da die Turngeräte trotz vielfältiger Gestaltungsmöglichkeiten doch immer die gleiche Beschaffenheit, Maße, Belastkbarkeit etc. haben. Seine Technik situativ und an ständig neue Hindernisse/Umgebungen anzupassen und seinen Körper auf unterschiedlichste Belastungen und Einflüsse vorzubereiten ist also in der Turnhalle überflüssig und wird deshalb oft stark vernachlässigt. Auch der Vorteil seine Umgebung in der Turnhalle durch Matten sicherer gestalten zu können ist ein Trugschluss, denn Sicherheit ist keine Frage der Quantität von Verletzungsmöglichkeiten, sondern einzig und allein der Fähigkeit des Traceurs Risiken richtig einzuschätzen. Fallschule, richtige Selbsteinschätzung und Gefahren der Umgebung erkennen sind zentrale Lerninhalte im Parkour. Mit Matten in der Turnhalle rücken diese Lerninhalte in den Hintergrund. Langfristig gesehen trainiert so der Traceur der freien Umgebung sicherer, da er gelernt hat, Gefahren in jeglicher Umgebung richtig einzuschätzen und so das Verletzungsrisiko zu vermindern. Der Turnhallen-Trainierte hingegen ist auf die vertraute Umgebung der Turnhalle angewiesen und oft sogar von einem Trainer abhängig.
FAM hat sich trotz der Konflikte mit der Parkour Philosophie entschlossen, diese Entwicklung als zusätzliches Angebot zu fördern, da dies ein großer Schritt zu mehr Anerkennung der Bewegungskünste als offiziellen Sport ist und unsere Bewegung(Revolution des Sports) und auch dessen Philosophie so eine stärkere Verbreitung und Akzeptanz in der Bevölkerung erfährt.
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